Ausgangssituation

Die Suche nach Fachkräftenachwuchs und nach Auszubildenden wird insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen immer schwieriger. Der demografische Wandel führt zu einem regionalen Wettbewerb um geeignete Schulabgänger. Aus der Sicht der Wirtschaft war es bisher immer möglich, durch Selektion aus einer großen Anzahl von Bewerberinnen und Bewerbern dennoch geeignete Mitarbeiter zu gewinnen. Das wird zukünftig nicht mehr möglich sein. Die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber in Sachsen-Anhalt reduzierte sich von fast 35.000 im Jahr 2007 auf knapp 18.500 im Jahr 2009. Mit Abschluss des Schuljahres 2010/2011 standen nur noch ca. 14.000 Bewerber/innen zur Verfügung (Schuljahresendstatistik Sachsen-Anhalt 2010/2011). Wer Fachkräfte und Auszubildende finden will, muss sich somit nicht nur auf die Abgänger von Realschulen, sondern auch auf Schüler und Schülerinnen der Haupt- und Förderschulen orientieren.


"Ab 2010 müssen Haupt-, Förderschüler und Schüler ohne Schulabschluss Aufgaben übernehmen, die heute von Gymnasiasten und Realschülern übernommen werden." (Zitat: Berufsbildungsbericht 2008 Sachsen-Anhalt).


Ein besonderes Potenzial liegt im Bereich der Förderschulen. Der Anteil der lernbehinderten Schüler und Schülerinnen lag in den letzten fünf Jahren konstant bei ca. sieben Prozent (Schuljahresendstatistik 2010/2011 Sachsen-Anhalt). Vor diesem Hintergrund müssen sich die Unternehmen den Förderschulen gegenüber öffnen, um dieses Potenzial mit seinen Fähigkeiten und Begabungen zu fördern und als potenzielle Fachkräfte an sich zu binden. Dafür ist vor allem eine kontinuierliche und systematische Berufsorientierung an der Schule in enger Kooperation mit den Unternehmen vor Ort entscheidend.

Das von der Europäischen Union und dem Land Sachsen-Anhalt geförderte Projekt wird feder-führend durch das IHK Bildungszentrum Halle-Dessau GmbH in Kooperation mit dem isw Institut gGmbH realisiert. Dem isw Institut obliegt im Projekt die wissenschaftliche Begleitung sowie die Betreuung von drei Förderschulen im Norden Sachsen-Anhalts und den dazu gehörigen Unternehmen.


Projektziel

Unter der Maßgabe des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns für die Personal- und Organisa-tionsentwicklung in Unternehmen unterstützt und begleitet das Projekt "Lernort Betrieb" insbesondere KMU, einen eigenständigen Beitrag zur Berufsorientierung für Schüler - hier Förderschüler - zu leisten und sich auf die Integration dieser Personengruppe einzustellen. Neben der Berufsorientierung erfolgt die Unterstützung bei der Gestaltung interner Prozesse in den Unternehmen als Voraussetzung für die Integration dieser Personengruppe (z.B. Auswahl geeigneter Ausbildungsberufe, Organisationsentwicklung im Unternehmen). Durch zielgruppen-gerechte, aufeinander aufbauende Begleit- und Förderangebote, die mit den Unternehmen entwickelt und umgesetzt werden, sollen die lernschwächeren SchülerInnen ab der 7. Klasse systematisch in ihrer Berufswegeplanung unterstützt werden. Oberstes Prinzip ist es, klassische schulische Angebote zur Berufsorientierung durch neue, zusätzliche Begleitangebote der Unternehmen zu ergänzen, die fest verankert in den Schulalltag integriert werden und auf Dauer angelegt sind.


Projektinhalt

Ansprache und Erstinformation von Unternehmen, vorrangig KMU/Akquise von betrieblichen Lernorten sowie begleitendes Coaching bei der Entwicklung, Erprobung und nachhaltigen Etablierung von systematisch aufbauenden Begleit- und Unterstützungsangeboten zur frühzeitigen Berufsorientierung. Themenfelder der Angebote sind:



Lernort Betrieb - Untersuchungen zur Rolle von KMU bei der Berufsorientierung von Förderschüler/innen


Unterstützung bei der Etablierung der Angebote der Unternehmen in sechs beteiligten Förder-schulen in Sachsen-Anhalt; einbeziehen von Schülern und Schülerinnen der Klassenstufen 7 - 9 der Förderschulen; Unterstützung bei der Bildung von sechs regionalen Schulgemeinschaften.

Durchführung von drei themenbezogenen Workshops je Schulstandort zur nachhaltigen Sicherung der regionalen Unternehmensnetzwerke der Schulen.

Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt mit der Maßgabe des Erkenntnisgewinns hinsichtlich der Wirkung der unternehmensgestützten Berufsorientierung für Förderschüler/innen sowie zur Qualitäts- und Transfersicherung. Die wissenschaftliche Begleitung stellt die Übertragbarkeit der Projektergebnisse sicher und liefert ein konsequentes, projektbegleitendes Feedback für die beteiligten Unternehmen und Schulen über die durchgeführten Projektmodule. Dadurch wird es möglich, die jeweiligen Module auf deren Wirksamkeit, Akzeptanz und Nachhaltigkeit zu validieren sowie gegebenenfalls an evaluierte Bedarfe anzupassen. Auf diese Weise wird es möglich, Erfolgsfaktoren zu erhöhen und dementsprechend den Wirkungsgrad der einzelnen Module zu optimieren. Durch die Kombination differenzierter Evaluationsmethoden wird sichergestellt, dass das Projekt "Lernort Betrieb" zu einem nachhaltig wirkenden und übertragbaren Konzept entwickelt werden kann.


Aufgaben des isw Institutes im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes

Aufgabe des isw-Institut gGmbH ist hierbei die Ideenentwicklung zur inhaltlichen Vorbereitung, Organisation und Durchführung der einzelnen inhaltlichen Projektschwerpunkte, weiterhin die Weiterentwicklung von Instrumenten der Personal- und Organisationsentwicklung in KMU, welche dem spezifischen Thema der Fachkräfterekrutierung und -bindung angepasst sind.

Hierzu bedarf es der Aufbereitung wissenschaftlicher und praktischer Erfahrungen zur Personal-entwicklung in KMU und Ableitung einer fundierten Beratungsmethodik zur Sensibilisierung der Unternehmen für die Potenziale der Förderschüler/innen und Unterstützung der Personalent-wicklungsprozesse, um Expertise zur Personalrekrutierung und -bindung bei den Unternehmen unter besonderer Beachtung der Förderschüler zu entwickeln.

Des Weiteren obliegt dem isw Institut gGmbH die Planung und Durchführung der Evaluation des Projektes vor dem Hintergrund der Projektziele und -indikatoren (Erstellung eines Evaluations-konzeptes und Abgleich mit dem Projektträger); dabei ist das Projekt "Lernort Betrieb" als ein offener, dynamischer Prozess zu verstehen. Zu diesem Zweck werden die im Projekt gesam-melten Erfahrungen verdichtet und verallgemeinert, um sie in einer nachnutzungsfähigen Form bereitzustellen. Auf diese Weise werden insbesondere die entwickelten Einzelmodule, die erstellten Grundlagen für unternehmerische Strategien zur Auswahl und -bindung von Fachkräften (insbesondere) aus dem Potenzial der Förderschulen und Hinweise für die regionalen politischen und sozialen Akteure verbreitet. Im Sinne der Nachhaltigkeit werden die als wirkungsvoll und breit anwendbar erkannten Handlungsansätze und Methoden für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik den Verantwortlichen zur Umsetzung vorgeschlagen bzw. umgesetzt. Sie sind dazu in eine nachnutzungsfähige Form zu bringen und öffentlichkeits-wirksam zu verbreiten.

Im Zusammenhang damit erfolgt eine formative, prozessbegleitende Evaluation, d.h. die Evaluation ist integrativer Projektbestandteil des Projektes und die Evaluatoren haben eine mitgestaltende Funktion. Im Projektverlauf erfolgt die Beobachtung und Bewertung der Indikatoren: Projektziele, Projektorganisation / Transparenz, Projektverlauf und -ergebnisse sowie deren Transfer und Effektivität. Erhebungsmethoden sind u. a. die Befragungen von Projektbeteiligten (Unternehmen, Schüler, Lehrer) sowie die teilnehmende Beobachtung bei den einzelnen Projektmodulen. Der Abschluss der Evaluation des Projektes erfolgt mit dem Ziel der Prozessoptimierung sowie dem Wissenstransfer zeitgemäßer, wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse.


Das Projekt wird gefördert durch den Europäischen Sozialfonds und das Land Sachsen-Anhalt.


mittendrin

in Europa

01.07.2013: Unternehmensinformationstag

Auf folgende Dokumente der Veranstaltung kann hier zugegriffen werden: