Steps to work: Unternehmen unterstützen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten bei der Berufs- und Studienorientierung



Ausgangslage:

Der allgegenwärtig diskutierte demographische Wandel und dessen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, machen auch vor wirtschafts-wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Berufsfeldern keine Ausnahme. So berichtet der VDI-Ingenieurmonitor 12/2010 über eine gegenwärtige Fachkräftelücke von 2.600 Ingenieure/innen in Sachsen-Anhalt/Thüringen.

Entsprechend einer Studie der Verbände im Haus der Wirtschaft Sachsen-Anhalt werden in den kommenden Jahren vor allem Maschinen-bauer/innen, Wirtschaftswissenschaftler/innen, Wirtschaftsingenieure/innen und Informatiker/innen von den Unternehmen nachgefragt werden.

Die demographische Entwicklung und die einhergehende Verknappung qualifizierter Nachwuchskräfte erfordert eine Weiterentwicklung der schulischen Berufs- und Studienorientierung, um die zukünftige Innovationsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Sachsen-Anhalt zu gewährleisten. Dementsprechend sollte und wird sich das Engagement der Unternehmen deutlich erhöhen, frühzeitig einen eigenen Beitrag zur Berufsorientierung und Studienorientierung von Schülern/innen allgemein sowie speziell im ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Bereich zu leisten.

Die bei Unternehmern feststellbare Nachfrage nach qualifizierten Nachwuchskräften mit ersten Berufs- bzw. Praxiserfahrungen kann, in Kombination mit der Forderung von Gymnasiasten/innen, nach mehr Praxisbezug im Unterricht, ein gewinnbringender Ausgangspunkt für die Kooperation Schule-Wirtschaft sein. Insbesondere die sinnvolle Kombination aus schulischen und außerschulischen (betrieblichen) Lernorten kann dazu beitragen, das Wissen zu beruflichen Möglichkeiten in Unternehmen des Landes Sachsen-Anhalt zu vertiefen und die Flexibilität der Jugendlichen im Studien- und Berufsfindungsprozess zu erhöhen. Eine praxisnahe Berufs- und Studienorientierung an Gymnasien in Kooperation mit Unternehmen der Region ist demnach ein primärpräventives Instrument zur Vermeidung von Fachkräftemangel, insbesondere in den wirtschaftswissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Fachbereichen.


Projektziel

Zielsetzung des Projektes "Steps to work" ist es, auf Grundlage erziehungswissenschaftlicher Erkenntnisse, Aktivitäten zur Berufs- und Studienorientierung regional ansässiger Unternehmen neu zu entwickeln bzw. diese weiter auszubauen. Das Grundanliegen ist es dabei, einen wissenschaftlich begründeten Erkenntniszuwachs im Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung für die beteiligten Unternehmen zu initiieren. Durch die fachliche und wissenschaftliche Unterstützung des isw Instituts werden Unternehmen bei ihren Bemühungen unterstützt, einen eigenständigen Beitrag zur Berufs- und Studienorientierung von Schülern/innen der 10 bis 12 Klasse zu leisten.

Der modulare Aufbau des Gesamtprojektes ermöglicht es den beteiligten Unternehmen, Angebote sowohl an den Gymnasien als auch am Unternehmensstandort anzubieten, als auch die eigenen Bemühungen der Nachwuchskräfteansprache und -rekrutierung zu überprüfen und ggf. anzupassen.

Kernbestandteil der schulischen und außerschulischen Aktivitäten ist eine praxisnahe Zurschaustellung unterschiedlicher Berufsfelder und Studienmöglichkeiten mit den Schwerpunkten:

Projektinhalte:


  1. Ansprache und Erstinformation von Unternehmen, vorrangig KMU/ Akquise von betrieblichen Lernorten sowie begleitendes Coaching bei der Entwicklung, Erprobung und nachhaltigen Etablierung von systematisch aufbauenden Begleit- und Unterstützungsangeboten zur Berufs- und Studienorientierung der Klassen 10 bis 12. Themenfelder der Angebote sind:











  2. Ansprache und Akquise von Unternehmen, vorrangig KMU zur Umsetzung betrieblicher Projektarbeiten für Schüler/innen der beteiligten Gymnasien. Die Projektarbeiten werden von 2 - 5 Schüler/ innen über einen Zeitraum von 4 - 6 Monaten außerschulisch umgesetzt und durch ein betriebliches Mentoring begleitet.




  3. Unterstützung bei der Etablierung der Angebote der Unternehmen in sechs beteiligten Gymnasien in Sachsen-Anhalt; Unterstützung bei der Bildung von sechs regionalen Schulgemeinschaften.
  4. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt mit der Maßgabe des Erkenntnisgewinns hinsichtlich der Wirkung der unternehmensge-stützten Berufs- und Studienorientierung für Gymnasiasten/innen der Jahrgangsstufen 10 bis 12 sowie zur Qualitäts- und Trans-fersicherung. Die wissenschaftliche Begleitung stellt die Übertragbarkeit der Projektergebnisse sicher und liefert ein konsequentes, projektbegleitendes Feedback für die beteiligten Unternehmen und Gymnasien über die durchgeführten Projektmodule. Dadurch wird es möglich, die jeweiligen Module auf deren Wirksamkeit, Akzeptanz und Nachhaltigkeit zu validieren sowie gegebenenfalls an evaluierte Bedarfe anzupassen. Auf diese Weise wird es möglich, Erfolgsfaktoren zu erhöhen und dementsprechend den Wirkungsgrad der einzelnen Module zu optimieren. Durch die Kombination differenzierter Evaluationsmethoden wird sichergestellt, dass das Projekt "Steps to work" zu einem nachhaltig wirkenden und übertragbaren Konzept entwickelt werden kann.
    Ein weiterer Schwerpunkt der wissenschaftlichen Begleitung ist, die Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Neuausrichtung der Berufs- und Studienorientierung (BOS) an Gymnasien in Sachsen-Anhalt im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales und des Kultusministeriums sowie des landesweiten Begleitgremiums (Landesbeirat Übergang Schule - Beruf).


Aufgaben des isw Institutes im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes

Aufgabe des isw Institut gGmbH ist hierbei die Ideenentwicklung zur inhaltlichen Vorbereitung, Organisation und Durchführung der einzelnen inhaltlichen Projektschwerpunkte, weiterhin die Weiterentwicklung von Instrumenten der Personal- und Organisationsentwicklung in KMU, welche dem spezifischen Thema der Fachkräfterekrutierung und -bindung angepasst sind.

Hierzu bedarf es der Aufbereitung wissenschaftlicher und praktischer Erfahrungen zur Personalentwicklung in KMU und Ableitung einer fundierten Beratungsmethodik zur Sensibilisierung der Unternehmen für die Potenziale frühzeitiger Personalrekrutierungsstrategien zur Sicherung des Fach- und Führungskräftebedarfs, um im zunehmenden Wettbewerb um geeignete Mitarbeiter/innen zu bestehen.

Des Weiteren obliegt dem isw Institut gGmbH die Planung und Durchführung der Evaluation des Projektes vor dem Hintergrund der Projekt-ziele und -indikatoren. Dabei ist das Projekt "Steps to work" als ein offener, dynamischer Prozess zu verstehen. Zu diesem Zweck werden die im Projekt gesammelten Erfahrungen verdichtet und verallgemeinert, um sie in einer nachnutzungsfähigen Form bereitzustellen. Auf diese Weise werden insbesondere die entwickelten Einzelmodule, die erstellten Grundlagen für unternehmerische Strategien zur Auswahl und

-bindung von Fachkräften und Hinweise für die regionalen politischen und sozialen Akteure verbreitet. Im Sinne der Nachhaltigkeit werden die als wirkungsvoll und breit anwendbar erkannten Handlungsansätze und Methoden für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik den Verantwortlichen zur Umsetzung vorgeschlagen bzw. umgesetzt. Sie sind dazu in eine nachnutzungsfähige Form zu bringen und öffentlichkeitswirksam zu verbreiten.

Im Zusammenhang damit erfolgt eine formative, prozessbegleitende Evaluation, d.h. die Evaluation ist integrativer Projektbestandteil des Projektes und die Evaluatoren/innen haben eine mitgestaltende Funktion. Im Projektverlauf erfolgt die Beobachtung und Bewertung der Indikatoren: Projektziele, Projektorganisation / Transparenz, Projektverlauf und -ergebnisse sowie deren Transfer und Effektivität. Erhebungsmethoden sind u. a. die Befragungen von Projektbeteiligten (Unternehmen, Schüler/innen, Lehrer/innen) sowie die teilnehmende Beobachtung bei den einzelnen Projektmodulen. Der Abschluss der Evaluation des Projektes erfolgt mit dem Ziel der Prozessoptimierung sowie dem Wissenstransfer zeitgemäßer, wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse.

Weiterhin erfolgt im Rahmen der wissenschaftlichen Tätigkeit eine intensive Auseinandersetzung mit dem derzeitigen Gesamtsystem der BOS an Gymnasien in Sachsen-Anhalt, die eine Aufarbeitung des theoretischen Diskurses aber auch eine kritische Analyse der gegenwärtigen Praxis beinhaltet. Darin eingeschlossen ist ein Vergleich ausgewählter Systeme zur BOS auf Länderebene (Sachsen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt). Merkmale und Gelingensfaktoren einer systematischen Berufs- und Studienorientierung werden dabei herausgearbeitet. Die Analyse ermöglicht die Ableitung und Formulierung von ersten Schlussfolgerungen zur Weiterentwicklung des Gesamtsystems der BOS an Gymnasien in Sachsen-Anhalt und die Erschließung von systemrelevanten Potenzialen des Projektes. Darin eingeschlossen ist die Ableitung von Grundlagen eines integrierten 3-Phasen-Modells zur systematischen Berufs- und Studienorientierung in Verbindung mit dem Lebenswelten- und Tätigkeitsansatz.


Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds

und des Landes Sachsen-Anhalt.  



mittendrin

in Europa